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Magnum-Ausstellung im C/O Berlin (Quelle: C/O Berlin)

16.7. - 19.9.2010

C/O Berlin: Fotografien der legendären Agentur Magnum

Jede Erfolgsgeschichte braucht ihre Legende und so soll bei der Namensgebung der Fotoagentur Magnum 1947 in Paris eine Magnumflasche Champagner beteiligt gewesen sein. Die vier Gründer - Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, George Rodger und David Seymour - stießen auf eine der ersten fotografengeführten Agenturen an, die in den kommenden Jahrzehnten den Fotojournalismus prägen sollte.

Mit der Ausstellung "Magnum. Shifting Media. New Role of Photography" feiert die Galerie C/O Berlin seit dem 16. Juli im Postfuhramt ihr zehnjähriges Bestehen. Während dieser zehn Jahre ist das Haus in der Oranienburger Straße zu einer wichtigen Adresse für internationale Fotografie-Ausstellungen in Berlin geworden. Zum Beispiel wurden Schauen mit der amerikanischen Promifotografin Annie Leibovitz, dem britischen Gesellschaftsfotografen Martin Parr oder der französischen Fotokünstlerin Bettina Rheims gezeigt. Nur die Nachricht, dass die Galerie das Postfuhramt Anfang April 2011 verlassen muss, stört beim Jubiläum.

Das Recht am eigenen Foto

Henri Cartier-Bresson. Soviet Union. Leningrad. Commemorating the victory over the Nazis. 9 May 1973 (Quelle: c/o berlin)

Henri Cartier-Bresson. Soviet Union. Leningrad. Commemorating the victory over the Nazis. 9 May 1973 

Jetzt wird erst einmal gefeiert. Schließlich bringt C/O Berlin mit der Fotoagentur Magnum nicht nur über 200 Werke berühmter Fotojournalisten der vergangenen 60 Jahre nach Berlin, sondern auch ein Stück Fotogeschichte ins Postfuhramt. Magnum wurde zu einer Zeit gegründet, als durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs der Alltag stärker ins Blickfeld der Fotografen geraten war. Fotoillustrierte wie "Life" in den USA oder "Paris Match" in Frankreich druckten Reportagen mit umfangreichen Fotostrecken, weil immer mehr Menschen sich für ein realistisches Bild aus den Krisengebieten der Welt interessierten.

In dieser Boomzeit der Reportagefotografie wollte sich die Gruppe um Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, George Rodger und David Seymour ihre gute Position gegenüber den Verlegern dauerhaft sichern und sie erfand das Copyright auf ihre Bilder. Damit blieben die Rechte am Negativ beim Fotografen und er hatte die Gewissheit, dass bei jeder Veröffentlichung sein Name unter der Abbildung stand.

Die starke Selbstbehauptung der Fotografen machte Magnum schnell bekannt und die Agentur zu einer renommierten Marke, die heute etwa 40 Mitglieder zählt und Niederlassungen in Paris, London, New York und Tokio hat.

Humanismus als Leitsatz

Magnum bemüht sich seit dem Bestehen um den Humanismus in der Fotografie. Die Bilder sollen Respekt und Verantwortungsgefühl gegenüber den Menschen ausdrücken. Tatsächlich fotografieren viele der Mitglieder in Krisengebieten und wie man in der Ausstellung sehen kann, gehört der Blick auf die dunklen Seiten der Existenz zu ihrem Beruf.

Robert Capa etwa reiste als Kriegsfotograf nach Italien, Frankreich, Israel oder in den 1930er Jahren nach Spanien, um dort über den Bürgerkrieg zu berichten. Seine Fotografien zeigen kämpfende, manchmal sogar sterbende Soldaten, und immer wieder Menschen auf der Flucht. Mit seiner radikalen Ansicht, dass ein Bild nur gut ist, wenn der Fotograf sich direkt ins Geschehen involviert, wurde er zu einem der berühmtesten Kriegsberichterstatter des 20. Jahrhunderts. 1954 starb Robert Capa, als er in Vietnam auf eine Landmine trat.

Der entscheidende Augenblick

Von Anfang an war es die Suche nach dem entscheidenden Augenblick, der die Magnum-Fotografen verbunden hat. Henri Cartier-Bresson verglich sich einmal mit einem Adler, der einem Fisch nachjagt. Dabei würde er sich der Beute vorsichtig nähern, um im richtigen Moment zuzuschlagen und einen Bruchteil von Wirklichkeit der Vergänglichkeit entreißen. Die Schwarz-Weiß-Fotografien, die Henri Cartier-Bresson bei seinen Aufenthalten in Indien, Burma, Pakistan, China, Mexiko, Japan oder in der ehemaligen UDSSR aufgenommen hat, sind atmosphärische Augenblicksskizzen. In der Ausstellung ist sein Foto einer Militärparade aus dem Jahr 1973 im damaligen Leningrad zu sehen. Aus einer schnurgeraden Reihe Soldaten heraus schaut neugierig, und so viel kleiner als die Männer in Uniform, ein Mädchen mit Blumen in der Hand in die Kamera.

Die Ursprungsidee trägt bis heute

Magnum-Ausstellung im C/O Berlin (Quelle: c/o berlin) (Peter van Agtmael. Iraq. Mosul. 2006. A teenager after being hit by U.S. soldiers during a deadly raid)

Peter van Agtmael. Iraq. Mosul. 2006. A teenager after being hit by U.S. soldiers during a deadly raid 

In den 60 Jahren seit der Gründung von Magnum hat sich der Fotojournalismus durch die zunehmende Digitalisierung stark verändert. Aber bis heute wird die Agentur von der Ursprungsidee getragen, dass sich die Welt vermitteln lässt, wenn man das Leben der Menschen dokumentiert.

Ein aktuelles Beispiel bei C/O Berlin ist das Foto eines jungen Mannes von Peter van Agtmael, das er 2006 im Irak aufgenommen hat. Geschockt blickt der Teenager, dem nach Auseinandersetzungen mit amerikanischen Soldaten Blut über das Gesicht rinnt, in die Kamera. Auch die Aufnahme von Mikhael Subotzky von einer Müllkippe in Südafrika aus dem Jahr 2006 ist ungeschönte Realität. Vor einer weiten Fläche mit Abfallbergen sitzt ein Mann auf einem Eselskarren, während der Himmel im dichten Rauch verschwindet.

Jana Hyner

Stand vom 16.07.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 16.07.2010 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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